Flipped Projekt "Taranee - Zeiten des Zweifels"

 

 

 

Ihr könnt mir über den Kontaktbutton Vorschläge für Szenen senden, die ihr gerne aus Jonas´ Sicht lesen würdet. Die meistgewünschten Szenen werde ich dann hier einstellen.

Das Flipped-Projekt richtet sich vor allem an meine Leser. Wer mein Buch noch nicht kennt, darf hier aber natürlich gerne ebenfalls reinschnuppern, solange er/sie keine Spoiler scheut.

 

Ich freue mich auf eure Wunschzuschriften.

 

 

eure Kristin

 

 

P. S.: Die Flipped-Szene gibt es (in Kombination mit einer Leseprobe der Kapitel 4 und 5) auch im Kindleformat. Die nächsten Gratistermine sind: 25. bis 29. Mai 2016.

 

 

Erste Flipped-Szene: Ende Kapitel 6

 

Es war dämlich gewesen, Peters Angebot, zum Essen zu bleiben, auszuschlagen. Jonas konnte es sich nicht leisten, nicht das zu schreiben, was gewünscht wurde. Und vermutlich würde es ohnehin niemandem auffallen, dass er keine Ahnung von dem hatte, was er da schrieb. Peter war es nicht aufgefallen. Er war begeistert gewesen von den romantischen Szenen, obwohl sie in aufgeschnappten Klischees ertranken. Vielleicht interessierte es die Leser wirklich nicht, was realistisch war. Dann musste er es auch nicht wissen.

Aber das war nicht der Grund gewesen, aus dem er gegangen war, auch wenn er nicht wusste, was der Grund war. Er wusste nur, dass ihn etwas zurück getrieben hatte, zurück zu Tara, wie an jenem Tag als …

Endlich hatte er es geschafft aufzuschließen. Sein Blick schweifte hastig über den Stapel ungeöffneter Post. Wo war sie? »Tara?«

Keine Antwort.

Er fand sie im Bad kauernd, die Hand gegen den Bauch gepresst, und einen Moment meinte er, ihre Knie zittern zu sehen. Wie damals. Er schüttelte das Bild ab, kniete sich vor sie. Erst jetzt merkte er, dass sie etwas Buntes festhielt. Vorsichtig streckte er die Hand aus, löste ihren verkrampften Griff um die Karte.

Dirk.

Ihm wurde schlecht, aber das war jetzt egal. Sie brauchte ihn.

Konnte dieser Drecksack sie nicht einfach in Frieden lassen? Musste er ihr unter die Nase reiben, dass er das bekam, was sie sich so verzweifelt wünschte, dass sie sogar bereit war, ihre Unschuld dafür zu opfern?

Er wusste nicht, was er ihr sagte, irgendetwas, es war auch egal. Er wusste nur, dass er beruhigend auf sie einredete, während er sie ins Wohnzimmer bugsierte. Tara zog die Knie an, kauerte sich in die Polster des alten Sofas. Unwillkürlich musste er daran denken, wie sie auf ebenjenem Sofa ihre Füße unter seine Oberschenkel geschoben hatte, die Tasse in den Händen, ein Lächeln auf den Lippen … seine Hand an ihrer Wange - nie waren ihm die Worte so locker auf der Zunge gelegen.

Und dann war Dirk gekommen.

»Soll ich dir vielleicht einen Kakao machen?« Als ob er dadurch die Zeit zurückdrehen könnte!

Sie sah ihn nur stumm an.

»Oder einen Kaffee?« Er war so ein Idiot. Aber ihr Dinge anzubieten, von denen er wusste, dass sie sich nicht wollte, war immer noch besser, als sich anzubieten, obwohl sie ihn nicht wollte.

Sie schniefte. »Ich brauch was viel Stärkeres.«

Das brauchte er auch. Hilflos verschwand er in der Küche. Er hörte das Knarzen der Polster, sah aus dem Augenwinkel, wie sie ihm unsicher folgte. Am liebsten hätte er sie wieder in die Arme genommen. Stattdessen schnitt er sich den Daumen am Verschluss der Wodkaflasche, die seit Taras Zwanzigstem genauso nutzlos im Schrank stand wie er in der Warteschleife. Er füllte die nichtssagende Flüssigkeit in den beiden Gläsern mit reichlich Orangensaft auf, warf einen Blick über die Schulter „Stark genug?«

»Pur wäre mir lieber gewesen.«

Ja, ihm auch. Er biss sich auf die Lippe. »Kommt nicht in Frage. Sonst kippst du mir gleich wieder um. Hast du überhaupt schon was gegessen heute?«

Sie zögerte deutlich zu lange. »Klar.«

Als er sie misstrauisch musterte, kaute sie auf ihrer Unterlippe. Sie sah so aschfahl aus, dass er ihr trotzdem das Glas reichte. Tara leerte es in einem Zug, was sie nur noch blasser um die Nase machte.

»Geht´s dir besser? Du siehst furchtbar aus.«

»Noch eins«, forderte sie statt einer Antwort. »Aber diesmal mixe ich selbst.«

Jonas beobachte das schmale Rinnsal Orangensaft, das sie dem nächsten Glas Wodka gönnte, und fing sich erst wieder, als sie auch dieses Glas auf einen Zug gelernt hatte. Bestimmt schob er Tara auf die Couch zurück, wo sie in sich zusammensank. Er griff nach ihrer Hand, hielt sie, als könne das irgendetwas daran ändern, dass sie ihr Herz an das letzte Arschloch dieses Planeten gehängt hatte. »Wirst du hingehen?«, fragte er schließlich.

»Ich weiß nicht. Sollte ich?«

Er versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. So würde er ihr gewiss nicht helfen, über Dirk hinwegzukommen. »Wahrscheinlich schon. Am besten du nimmst Bruno mit, schmeißt dich so richtig in Schale und zeigst diesem Blödmann, wie glücklich du ohne ihn bist.« Noch so ein bescheuertes Klischee.

Sie sah ihn an und einen Moment lang hoffte er, sie würde endlich aussprechen, dass sie mit Bruno nicht glücklich war.

»Blödmann«, schalt er sich. »Selbst wenn sie es nicht ist, dich will sie garantiert nicht.« Und trotzdem, wenn sie ihn so ansah, konnte er nicht anders, als zu hoffen.

»Das ist gar keine so schlechte Idee«, murmelte sie.

»Na, dann mach das doch, Süße.« Ein kleines Grübchen hatte  sich um ihren Mundwinkel gebildet. Er wollte es so gerne dort halten. »Aber versprich mir eins, ja?«

»Was denn?«

»Dass du nicht wieder dieses schreckliche Relikt aus Mister Darcys Mottenkiste anziehst. Das sieht aus wie ein verschimmeltes Hochzeitskleid.«

»Vielleicht ist es das sogar.« Jetzt kicherte sie sogar, zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht. »Ich hab es aus einer von Valeries Kisten auf dem Speicher genommen, als mir klar wurde, dass ich ansonsten den Fetzen Stoff von Rose zur Gala hätte anziehen müssen.«

Sie war so verdammt süß, wenn sie lallte. Und nicht nur das. »Also, versprichst du es?«

Erst als er sah, wie ihr Blick auf seine Lippen fiel, merkte er, wie nahe er ihr gekommen war. Verdammt, es war nicht in Ordnung, mit ihr zu flirten. Nicht jetzt, nicht so.

»Ja, aber nur, wenn du im Gegenzug etwas für mich tust«, hauchte sie.

Er schluckte, als sie die Hand in seinen Nacken legte. »In Ordnung«, flüsterte er, als würde das rechtfertigen, dass er gegen seine Prinzipien verstieß.

»Küss mich.«

Ihre Worte brachten ihn mit einem Schlag auf den Boden der Tatsachen zurück. Solange er mit ihr flirtete, konnte er das als harmlos abtun. Aber das … scheiße, wenn er nur einmal … Gott verdammt, er musste sich zusammenreißen. »Tara, das ist keine gute Idee.«

»Wieso nicht?«, bettelte sie. »Nur einmal.«

Ja, wieso eigentlich nicht? Verdammt, es gab Gründe, es gab ein ganzes Bataillon von ihnen, auch wenn im Moment nicht einer davon in seinen Kopf fand, während er versuchte, nicht auf ihren Mund zu starren. »Muss ich dir jetzt wirklich die Gründe dafür nennen?«

»Nein«, sie kam noch näher, »küss mich einfach.«

Sein Herz raste, während sein Blick von ihrem Mund zu ihren Augen und zurück flackerte. Er sah sie die Lider schließen. Oh Gott, nur ein einziges Mal wollte er … und plötzlich spürte er die zarte Haut ihrer Wangen, Schläfen und Ohren unter seinen Händen, ihre Lippen unter seinen, konnte kaum fassen, dass er sie tatsächlich so berührte, als wäre es in Ordnung, sie zu wollen. Wie lange hatte er davon geträumt, obwohl er es sich verboten hatte? Scheiße, er weinte doch wohl nicht?

Sie schlang die Arme um seinen Nacken, drängte sich an ihn, und obwohl er nun wirklich wusste, wie sie sich anfühlte, war es doch ganz anders, sie auf diese Weise zu spüren.

Erst als sie zusammenzuckte und scharf die Luft einsog, merkte er, dass er zu weit gegangen war. Widerwillig zog er die Hand von ihrer Brust fort, grub die Fingernägel in seinen Handballen und versuchte zu vergessen, wie richtig es sich angefühlt hatte.

Er öffnete die Augen, wollte sich entschuldigen - und brachte doch keinen Ton hervor. Und dann, während er sich in ihren Augen verlor, spürte er, wie sie seine Faust löste und seine Hand nahm. Ein letzter, nicht zu deutender Blick, dann war sie aufgestanden und zog ihn hinter sich her … in ihr Schlafzimmer. Ehe er Luft holen konnte – Luft brauchte er ganz dringend -, presste sie seine Hand wieder gegen ihre Brust.

Er schloss kurz die Lider, versuchte, das Gefühl zu ignorieren, bemühte sich, normal zu atmen. Völlig aussichtslos.

Tara ließ ihn nicht aus den Augen.

Verdammt, wie konnte sie ihn so ernsthaft auffordern, sie zu berühren, wenn sie betrunken war? Falsche Frage, sie konnte es, weil sie betrunken war, weil sie sich nicht klarmachte, dass …

Ihr Blick wurde flehend, eine Nuance nur, und doch hielt er sie eine Sekunde darauf in den Armen und küsste sie, spürte, wie sie sich gegen ihn presste, dann ruhelos die Hände unter sein T-Shirt wandern ließ, wo sie seine Haut zu verbrennen schienen. Schon hatte sie es hochgeschoben und über seinen Kopf gezogen. Jetzt legte sie die Hände über seine, forderte ihn unmissverständlich auf, ihr seinerseits das Oberteil auszuziehen, und während er ihrer Bitte noch zögernd nachkam, hatte sie schon ihren Büstenhalter aufgehakt und ließ die Träger von den Schultern gleiten. Jeans und Slip folgten, während er die Arme möglichst unverfänglich um ihre Taille legte. Jetzt waren ihre Hände an seiner Jeans, der Knopf musste dran glauben, dann der Reißverschluss. Kurz streifen ihn ihre Finger, bevor er ebenso nackt da stand wie sie.

Jetzt erst löste sie ihre Lippen von seinen, atmete stockend, sah ihn nicht an.

Er legte die Stirn an ihre, küsste sie dann sanft, spürte, wie sie die Handflächen um seine Schultern legte, umfasste behutsam ihr Gesicht. Ihre Körper berührten sich kaum noch.

Schließlich trat sie ganz zurück, ließ sich aufs Bett sinken, zog ihn einfach mit sich. Sie hörte nicht auf, ihn zu küssen, aber ihre Hände an seinem Rücken begannen zu zittern, als er auf ihr lag; genauso, wie sie in der Nacht gezittert hatten, als sie verzweifelt den Arm um seine Mitte geschlungen hatte, nachdem Bruno sie entjungfert hatte. Und er hatte ihr nicht helfen können, weil er selbst kein Stück besser war. Er würde ihr wehtun, es war naiv zu glauben, dass gerade er es nicht tun würde, trotz aller fehlenden Erfahrung. Und bei wem sollte sie danach Trost suchen, wen er es war, der es tat? Und trotzdem.

»Dirk …«

Mit einem Mal war es ganz leicht, aufzuhören.

Tara öffnete die Augen, als er sich von ihr löste, und die Verwirrung stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Immerhin hörte sie auf zu zittern.

»Hör zu, Mädchen, ich glaube, es ist besser, wenn wir das lassen.«

Sie schüttelte den Kopf.

»Doch.«

Tara öffnete den Mund, rang nach Worten. »Jonas, bitte.« Mehr sagte sie nicht.

Und trotzdem war es beinahe genug, um ihn umzustimmen. Was für eine Sorte Arschloch war er eigentlich, dass ihn einzig die Tatsache, dass sie ihn mit einem anderen verwechselte, zurückhielt? Nicht die, dass sie einen festen Freund hatte. Nicht die, dass sie völlig deprimiert und betrunken war. Nicht die, dass sie seine beste Freundin war. Nicht einmal die, dass es falsch war, mit ihr schlafen zu wollen. Wenn du magst, kannst du danach auch mal über sie rüber rutschen. Genau diese Sorte Arschloch war er.

Hastig rollte er sich von ihr herunter. »Du willst das doch gar nicht. Wenn du morgen aufwa-«

»Will ich es immer noch.« Es klang ein bisschen betrunken, aber durchaus ernsthaft.

»Das sagst du jetzt.«

Sie zögerte nicht eine Sekunde. »Das sage ich morgen auch.«

»Dann … dann sag es mir. Sag es mir morgen und ich …« Durfte er das? „Ich werde keine Einwände erheben.«

»Ich nehm dich beim Wort«, drohte sie scherzhaft.

»Ich dich auch, wenn du es sagst.«

»Das kann ich jetzt auch«, murmelte sie, schmiegte die Nase gegen die Linie seines Kinns, bis er gar nicht anders konnte, als sie zu küssen.

»Morgen«, brachte er mit einiger Anstrengung heraus. Nicht, dass morgen besser wäre. Es gab keinen guten Zeitpunkt, ihr wehzutun.

»Du bist ein Spießer.«

»Und du bist betrunken.«

»Aber ich mag dich trotzdem.« Ihre Stimme klang undeutlich.

»Ich weiß.« Er küsste sie auf die Stirn. »Schlaf jetzt.«

Das war unnötig gewesen, sie schlief bereits.

Vorsichtig strich er über das Muttermal an ihrem Schlüsselbein, traute sich nicht, die Hand auf ihre Brust zu legen.

Es geschah ihm ganz Recht, wenn sie morgen wieder zur Vernunft kam. Er hatte sich unverantwortlich verhalten. Wenn sie ihn nun nicht Dirk genannt hätte, er hätte einfach mit ihr geschlafen. Und dann wäre es genauso geworden wie jetzt mit Bruno.

Seit Wochen beobachtete er sie zusammen, nahm jede der winzigen Gesten ihrer Abneigung wahr, die Bruno so gekonnt ignorierte. Das kurze Aufblitzen nackter Angst, wenn Bruno sich selbst zum Übernachten einlud, und das es Jonas unmöglich machte, sich im selben Raum aufzuhalten. Am liebsten hätte er sie verteidigt, wie damals. Aber es wäre nicht richtig gewesen. Sie hatte sich entschieden, es in Kauf zu nehmen. Warum auch immer, denn offensichtlich trauerte sie doch immer noch Dirk hinterher. Oder nicht? Vielleicht war es auch einfach nur die Tatsache, dass es nicht sie war, die geheiratet wurde. Erst Volker, und jetzt Dirk. Vielleicht war es das. Bruno hatte ihr keinen Antrag gemacht, obwohl sie ihm das gegeben hatte, wovor sie solche Angst hatte.

Und doch hatte sie heute mit ihm schlafen wollen, auch nachdem ihr klargeworden war, dass er nicht Dirk war. Womöglich wollte sie sich darauf vorbereiten, Dirk zurückzugewinnen, und das würde sie nicht schaffen, indem sie es nur über sich ergehen ließ? Aber die Erklärung, bei der seine Gedanken verweilten, war eine ganz andere, und die war so wunderbar, dass er kaum still liegen konnte. Sie verlieh seinen Gedanken Flügel.

 

Jonas war die ganze Nacht wach geblieben, hatte Käthe heimkommen, schlafen gehen und wieder aufstehen gehört. Er hielt es nicht mehr aus, hier zu liegen und nichts zu tun als bangen und hoffen. Leise zog er sich an, warf einen letzten Blick auf Tara. Sie schlief tief und fest.

Dann machte er sich einen Kakao, ging rüber in Käthes und sein Zimmer, setzte sich an die Schreibmaschine. Er zog ein neues Blatt ein. Und diesmal floss ihm die Liebesszene, an der er nun seit Monaten verzweifelt war, nur so aus den Fingern.

»Frohes Schaffen.« Käthe stand im Türrahmen der Badtür, rieb sich mit einem Handtuch das letzte Wasser aus den Ohren. »Hast du bei Tara geschlafen?«

»Bruno war arbeiten. Und Dirk hat geschrieben. Er heiratet.«

»Scheiße.« Sie verzog mitfühlend das Gesicht. »Wie geht es ihr?«

»Vielleicht sprichst du sie besser nicht drauf an.«

»Ja. Klar.« Sie hängte das Handtuch an den Haken. »Ich hab gleich einen Termin. Soll ich danach Brötchen mitbringen? Ich weiß aber nicht, wie spät es wird.«

»Ich glaube, wir haben noch Brot da.«

Sie nickte und gab ihm einen Kuss auf die Wange. »Sie kann froh sein, dass sie dich hat.«

Dann ging sie.

Er würde nur schnell die Szene zu Ende schreiben, und dann würde er zurück ins Bett schlüpfen, solange sie allein waren. Seine Hände flogen nur so über die Tasten, tippten eine Seite nach der anderen, während sein Herz raste.

»Morgen.« Tara war bereits vollständig angezogen. Wie lange war Käthe schon weg?

Nervös begann Jonas, am Papiereinzug zu nesteln, obwohl das Blatt kaum halb voll war. »Ich hoffe, ich hab dich nicht geweckt. Aber mich hat heute Nacht die Muse geküsst und deshalb bin ich gleich an die Arbeit, als Käthe aufgestanden ist, bevor ich alles wieder vergesse.« Scheiße, das war aber nicht das mit einem Kuss verbundene »Guten Morgen, meine Süße«, das er sich zurechtgelegt hatte.

»Ich fürchte, das war keine Muse«, falls sie sich ein strahlendes Lächeln zurechtgelegt hatte, war ihr Plan ebenso misslungen, »sondern ich.«

Rasch senkte er den Blick. »Ähm, ja, das auch.« Verdammt, wieso konnte sie es nicht einfach sagen, bevor er sich völlig um Kopf und Kragen redete? Oder sollte er fragen? Nein, das war nicht der Deal.

»Also, ich …«, setzte sie an, und ihm blieb fast das Herz stehen vor Erwartung, »ich fürchte, ich hab ’nen Filmriss. Hilf mir etwas auf die Sprünge, ja? Wir haben doch nicht etwa …?«

Oh Gott, nein, sie hatte es nicht einfach vergessen. Das durfte doch nicht wahr sein. So viel hatte sie doch auch nicht getrunken, verdammt noch mal!

»Haben wir?«

»Ähm, also –« Vielleicht sollte er einfach Ja sagen. Was hatte er zu verlieren? Eine ganze Menge.

»Nein, sag nichts! Ich will es gar nicht wissen. Und eigentlich ist es doch auch egal, oder? Ich meine, lass uns das Ganze einfach vergessen. Wir machen einfach so weiter wie bisher, ja?«

Sie hatte es tatsächlich vergessen. Schlimmer noch, sie hielt es für möglich, dass sie miteinander geschlafen hatten, und wollte trotzdem nichts davon wissen. Er wollte die neuen Seiten in winzige Schnipsel zerpflücken, aber er konnte nichts tun, als hilflos auf den Tisch zu starren. »Ja klar, sicher«, brachte er schließlich heraus, stand hastig auf. Im letzten Moment rettete er die Kakaotasse davor, seine Arbeit zunichte zu machen – wieso eigentlich? Vor seinen Augen drehte sich alles, obwohl er definitiv nicht zu viel getrunken hatte. »Dann mach ich uns jetzt mal ein Katerfrühstück.«

Er rang sich ein Lächeln ab, hastete in die Küche, ehe sie seine Tränen bemerken würde. Was hatte er erwartet? Er war nicht die Sorte Arschloch, die sie als ihren Traumprinzen stilisierte. Aber wenn er nicht die Sorte Arschloch sein wollte, die es nicht besser verdient hatte, als dass sie sich nicht mehr erinnerte, musste er lernen, sie nicht zu wollen.

Kristin B. Sword